Es ist passiert! Es ist tatsächlich passiert! Ich habe URLAUB! Und wo verbringe ich den? Im Allgäu. Genauer gesagt in Schmidsfelden. Das liegt zwischen Isny und Leutkirch und ist ein wunderschönes, kleines Dorf mitten im Nirgendwo. Dort wohnen seit fast 1 Jahr meine Eltern, die schon immer den Traum hatten ins Allgäu zu ziehen. Schmidsfelden umfasst gerade einmal 10 Häuser. Eines davon ist ein altes Herrenhaus von 1824.

In diesem wunderschönen alten Haus hat meine Mutter ihre Glasperlenwerkstatt mit Laden eröffnet. Dort verkauft sie all die kleinen Kunstwerke, die sie in liebevoller Handarbeit aus Glas herstellt. Perlen, Ringe, Ketten, Ohrringe aber auch handgenähte Schals, Stulpen & Mützen (die natürlich nicht aus Glas gemacht werden). Vor vielen Jahren hat sie die Kunst des Glasperlenwickelns erlernt und ihren Traum, ins Allgäu zu ziehen, gleich mit ihrem zweiten Traum, irgendwann einen kleinen Laden zu besitzen, verbunden. Auch mein Vater ist der Glasleidenschaft verfallen und fertigt wunderschöne Glasmurmeln an, was in Deutschland nur noch 1 weiterer Künstler so macht, wie er.

Glasperlen wickeln ist gar nicht so schwer wie man es sich vorstellt. Man braucht allerdings viel Geduld und eine ruhige Hand. Geschmolzen wird das Glas an einem Brenner mit Gas und Sauerstoff. Die Gasflamme wird durch den Sauerstoff schön gerade gehalten und flackert nicht nach oben. Man sagt „Glasperlen wickeln“, da das heiße Glas (das meistens aus Murano /Italien kommt und immer in Form von Stäben gekauft wird) um einen Metallstab gewickelt wird, der mit einem so genannten Trennmittel bestrichen ist (das ist das weiße Pulver, das oft aus billigen, maschinell angefertigten Perlen herausrieselt). Wenn die Perle abgekühlt ist, kann man sie ganz einfach vom Stab abziehen. Ohne das Mittel würde das Glas mit dem Metall eine Verbindung für alle Zeiten eingehen. Der Fantasie sind beim Glasperlen machen kaum Grenzen gesetzt. Farben, Formen & Größen aller Art sind möglich. Der Verkaufsraum in der alten Villa bietet so viele Eindrücke. Schöne alte Holzböden, Biedermeiermöbel (die mein Onkel restauriert) und überall glitzern und funkeln die Glasperlen. Wer gern selbst mal ausprobieren möchte, wie man eine Glasperle macht, kann einen Schnupperkurs machen, und bisher war jeder überrascht, wie schnell man den Dreh raus hat. Vor einigen Monaten sind wir auf die Idee gekommen, dass man doch auch Junggesellinen-Abschiede im Laden feiern könnte. Alle Teilnehmerinnen dürfen dann Glasperlen anfertigen und am Ende wird daraus eine Kette oder ein Armband für die Braut gemacht, das dann nur sie hat, und niemand anders. Ich finde, das ist nicht nur ein schönes Erlebnis sondern auch eine tolle Erinnerung für die Braut. Und bisher haben sich alle Bräute sehr gefreut.

Schmidsfelden ist immer eine Reise wert. Es gibt eine alte Glasmacherhütte, die 2003 liebevoll restauriert und wieder in Betrieb genommen wurde, ein Museum, ein fantastisches kleines Restaurant und einen kleinen Fluss, durch den man wandern kann (was ich diese Woche auch tun werde). Als ich das erste Mal in diesem kleinen Idyll ankam, habe ich mich sofort verliebt. Das Glasmacherdorf hat einen Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Alte renovierte Bauernhäuser, ein wunderschöner Brunnen, überall blüht es und die Luft ist so rein, dass man sich sofort gesünder fühlt. Meine Eltern sind mehr oder weniger zufällig auf das Dorf gestoßen. Freunde von ihnen haben es bei einer Radtour entdeckt und gesehen, dass ein Wohnhaus und ein Laden frei sind. Innerhalb von 4 Wochen haben meine Eltern alle Zelte abgebrochen und sind ins Allgäu gezogen. Und weder sie noch ich haben es bereut. (Ich bin nicht mit umgezogen, ich wohne schon länger nicht mehr bei meinen Eltern, aber wenn ich eines Tages die Chance bekomme auch dort hinzuziehen, dann müsste man mich schon mit Ketten fesseln, dass ich es nicht tue) Ich komme so oft hier her wie es geht, es fühlt sich jedes Mal an wie Urlaub, selbst wenn es nur ein Tag ist. Und seltsamerweise fühlt es sich auch an wie Heimat. Meine Eltern sind glücklicher als ich sie je gesehen hab und das macht auch mich glücklich. (und ja, mir läuft gerade während des Schreibens eine Träne übers Gesicht).

Ich wollte euch gern ein paar Eindrücke aus diesem wunderschönen Dorf und von den Kunstwerken meiner Eltern liefern. Darum hab ich mich heute mit der Kamera von meinem Dad aufgemacht, und habe ein paar Bilder geschossen. Zuerst musste ich mich jedoch mit der Kamera anfreunden, denn von Canon auf Nikon zu wechseln ist gar nicht so einfach. Natürlich werde ich diese Woche auch etwas backen, ich kann ja schließlich nicht einfach meinen Blog auf „Urlaub“ stellen. Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Woche, genießt das unglaublich heiße Wetter (was ich nicht tue, denn ich liebe nunmal den WINTER). Aber ihr dürft gern statt mir die Hitze genießen.

Ich schick euch ein zartes „Muh“ aus dem Allgäu,

Euer Backbube

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